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Nr. 202, 2019, Dez. / Jan. Inhalt
 
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Geld – Macht – Erfolg:
 
Der Kongress des DAV stellt sich populären Fragen und sucht nach tiefgründigen Antworten
 
von Klemens Ludwig
 

Vom 27. bis 29. September fand in Bad Kissingen unter dem Motto «Money Makes the World Go Round. Astrologie – Geld – Macht» der jährliche Kongress des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV) statt.
 

Regiert Geld die Welt? Sollten, dürfen sich spirituelle Menschen mit Herausforderungen wie «Macht» und «Erfolg» befassen? Oder ist das ein Zeichen dafür, dass sie noch in dem verhaftet sind, was sie eigentlich überwinden wollen?

Viele schienen das so zu sehen, wie die Resonanz auf den jüngsten DAV-Kongress zunächst vermuten liess. Er stand unter dem Motto «Money Makes the World Go Round», und das Interesse war lange sehr zurückhaltend. Manche regelmässigen Besucher liessen den Veranstalter sogar direkt wissen, dass sie das Thema nicht interessiere. Doch es war nur ein vorübergehendes Desinteresse. In den letzten Wochen vor dem Kongress gab es einen Anmeldeboom, den der DAV in der Phase noch nicht erlebt hatte. Auch spirituelle Menschen erkennen offenbar die Bedeutung und Kraft weltlicher Themen, wenn auch vielleicht erst auf den zweiten Blick. Schliesslich sind das Materielle, der Körper, die Natur die Basis für jede spirituelle Erfahrung. Diese kann nicht ausserhalb des Materiellen gemacht werden, so die Motivation des DAV.

Der Schweizer Mundan-Astrologe Claude Weiss hielt den Eröffnungsvortrag und nahm das Publikum mit auf einen fulminanten Ritt durch 500 Jahre Geschichte, vom Weltumsegler Magellan über Luther bis hin zu Bill Gates und Greta Thunberg. Die Aktivitäten dieser Persönlichkeiten interpretierte er unter dem Blickwinkel von «Konstellationen grossen Erfolgs und monumentalen Scheiterns». Über die Deutung der individuellen Horoskope hinaus stellte er die grundlegende Frage, was «grosse Erfolge» und «monumentales Scheitern» eigentlich ausmache. Weiss sieht darin letztlich nicht den nach aussen sichtbaren Erfolg, die Durchsetzung eigener Anliegen oder materiellen Gewinn, sondern eine Übereinstimmung mit den inneren Zielen. Ausdrücklich betonte er, dass es keinen astrologischen Determinismus gebe, ob jemand zum Gewinner oder Verlierer geboren sei. Bestimmte Konstellationen könnten von der einen Person als grossen Erfolg erlebt werden, von der andern jedoch als Scheitern.

Am Samstagmorgen stellte Christof Niederwieser die «grossen Umbrüche ab 2020» in den Fokus. Er hat sich intensiv mit dem Jupiter/Saturn-Zyklus, aber auch den Deklinationszyklen der langsam laufenden Planeten befasst und sieht die Welt in einer Umbruchphase, die im Moment noch krisenhaft sei und populistischen  Parolen Vorschub leiste. Langfristig jedoch ist Niederwieser durchaus optimistisch. Durch den Übergang der Jupiter/Saturn-Konjunktion von den Erd- in die Luft-Zeichen werde die materialistisch ausgerichtete und letztlich Zerstörung verursachende Grundenergie der Menschheit in eine geistige Orientierung umgewandelt. Eine Wissensgesellschaft kreiere völlig neue Lösungsperspektiven für die globalen Probleme.

Auf Niederwieser folgte Claudia von Schierstedt, die mit dem Publikum ebenfalls ihre fundierten historischen Forschungen teilte. Im Zentrum stand dabei das Verhältnis von Individuum und Kollektiv. Die Basis ihrer Forschungen ist ebenfalls der Jupiter/Saturn-Zyklus, wenn auch unter einem anderen Gesichtspunkt: Sie schaut darauf, welche applikativen Aspekte als erstes nach der Konjunktion gebildet werden. Ist die Konjunktion selbst davon betroffen, dominiert das Kollektiv, bei der Sonne das Individuum. Nach einer langen Dominanz des Kollektivs sieht Claudia von Schierstedt nun eine Epoche heraufziehen, in der das Individuum zu mehr Selbstbestimmung gelangt. Dies zeige sich insbesondere in der Kontrolle über die Geldströme.

Eine von Antonia Langsdorf souverän und einfühlsam moderierte Podiumsdiskussion beleuchtete unter dem Schlagwort «Bin ich mehr als meine Kreditkarte?» die Finanz- und Machtstrukturen der Zukunft. Dabei zeichneten Franziska Engel, Werner Held, Christof Niederwieser, Claudia von Schierstedt sowie Claude Weiss insgesamt ein überwiegend positives Szenario, ohne die Schattenseiten zu ignorieren.

Auf den Samstagabend hatten sich alle gefreut, denn der einzige und einzigartige Astro-Kabarettist Erik van Slooten präsentierte ein neues Programm, dessen Titel schon unwiderstehlich klingt: «Pekuniäre und andere Scheinprobleme» – natürlich souverän gelöst von Erik van Slooten.

Vier Vorträge am Sonntag beleuchteten das Thema unter weiteren Gesichtspunkten: Birgit von Borstel betrachtete Finanzen aus traditioneller astrologischer Sicht sowie auf der Basis des siderischen Tierkreises. Laird Marcus Dannfeld, ein ausgewiesener Experte für die asiatische Astrologie, führte in die tibetische und chinesische Tradition ein, die ein differenziertes Bild des Individuums und seinen Anlagen zeichnen. Wie kaum jemand sonst erforscht Werner Held Kleinpla­neten und Asteroiden und integriert sie in die Deutung. So spielen sie im Zusammenhang mit Sonnenfinsternissen bei seiner Antwort auf die Frage «Was verleiht uns Macht und Geld?» eine ganz entscheidende Rolle.

Ambivalent sind dagegen die Schätze des achten Hauses, mit denen Martin Sebastian Moritz den Kongress abschloss. Moritz betrachtet dieses durchaus als ein Geldhaus, allerdings geht es dabei nicht nur um unser Geld, sondern auch um un­sere Schulden und noch tiefer um unsere Schuld. Bei den antiken Griechen hiess es «epikataphora», der Abstieg in die Unterwelt. Dort gab es aber immer auch Schätze, die allerdings Anstrengung verlangen, um gehoben werden zu können.


Klemens Ludwig, Astrologe, Publizist, Asienreisender; 1. Vorsitzender des DAV; Autor meh­rerer Bücher und vieler Fachartikel (Website: www.astrologie-ludwig.de)

 

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