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Nr. 202, 2019, Dez. / Jan. Inhalt
 
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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Das fängt ja gut an …
 
von Barbara Egert
 


 

Man muss dringend verreisen, aber alle Flüge sind ausgebucht, bis auf einen ein­zigen Sitz, der – wie könnte es an einem Freitag den 13. anders sein – ausgerechnet in einer der berüchtigten 13. Reihe ist. Soll man oder soll man nicht? Wie hält man es mit dieser ominösen Zahl?

Der Sternen-Gläubige zögert nicht, weil er ja weiss, dass sowieso geschieht, was geschehen soll. Wen Merkur inspiriert, der deutet jedes verdächtige Omen als Gunst der Stunde und nutzt die Situation vielleicht zu einem Selbstgespräch über den Aberglauben, das so spannend ist, dass er das «Wir sind soeben gelandet» der Stewardess überhört, weil ihm gerade noch einfällt, dass man die ansonsten so bezaubernde Idee eines sinnvollen zeitlichen Zusammentreffens von Ereignissen auch bezweifeln könnte angesichts der unzählig vielen 13. Freitage, an  denen jede Katastrophe ausbleibt, dafür aber das Glück höchstpersönlich einem zulächelt. Rationalisten sind manchmal, besonders wenn ihr Neptun mitspielt, besser als ihr Ruf und voller Fantasie.

All jene, die nicht aufhören können, sich zu sorgen – wir alle also, denn sich mit der Astrologie zu beschäftigen heisst immer auch zu hoffen, seine Sorgen neutralisieren zu können –, stehen immer wieder vor dem Rätsel, dass mal eintritt, was man befürchtet, dieses aber eben auch mal nicht eintritt. Schreckt uns also die Buchung eines Fluges mit dem Sitzplatz 13 A weniger, wenn wir wissen, dass gar nichts passieren kann, weil die Sterne meinen, dass alles gutgeht?

Nun ja, wer möchte sich da schon festlegen! Vielleicht ist es das Beste, den heiklen Flug zu buchen und im Bistro des Airports so lange in den Ephemeriden zu blättern, um zu ergründen, ob man oder ob man nicht, bis der Flieger es leid ist, auf uns zu warten, und einfach abhebt. Ein bisschen teuer, aber immer noch besser, als sich hinterher (wenn es denn überhaupt eins gibt!) sagen zu müssen, dass man leider eine Konstellation übersehen hat. Da Deutung eine Kunst ist, kann man im Fall des verpassten Fluges von Künstlerpech sprechen und sich vornehmen, nur noch mittwochs (mercredi) zu fliegen, denn da sitzt Merkur mit im Cockpit.

Warum eigentlich gönnt man sich und seinem übereifrigen Verstand nicht öfter mal eine Pause und ignoriert den ironischen Unterton, wenn jemand andeutet, man sei doch nicht etwa abergläubisch! Besteht nicht die wahre Freiheit gerade darin, sich mal um keinen Preis der Welt auf Platz Nr. 13 zu setzen, mal aber wieder so übermütig zu sein, das Schicksal herauszufordern? Was wir immer wieder vergessen: Manchmal sind wir Teil einer himmlischen Inszenierung, die möchte, dass wir der Liebe unseres Lebens begegnen, die bereits neben uns sitzt, unbekümmert um die 13 und frei von astrologischen Bedenken. Später werden wir aller Welt erzählen, dass es Zufälle nicht gibt.

Doch zunächst erinnert sich ein Gespräch, das die 13 umkreist, des He­xen­ein­mal­eins von Goethe («Aus Eins mach Zehn / Und Zwei lass’ gehn / Und Drei mach gleich / So bist du reich.»), staunt dann über Primzahlen, entdeckt den Goldenen Schnitt im Pentagramm, begegnet der heiligen Drei, der profanen Neun … Welch ein Flirt: Sieben Stufen sind es nur noch bis zur Vollendung, bevor die glückbringende Acht durch eine leichte Drehung zum Symbol der Unendlichkeit wird und das Paradies erreicht ist. Was will die Liebe mehr?

Da nur der sichtbare Teil des astrologischen Eisbergs aus Zahlen besteht und sich zur Berechnung eignet, verbleibt ein riesiger Rest unter Wasser, der seine Geheimnisse nur dem anvertraut, der sich ihm meditativ nähert oder sich der uralten Weisheit des I Ging bedient. Ist das allerdings gerade nicht zur Hand, hilft nur noch eins: der gesunde Menschenverstand und die Hoffnung, dass Oscar Wilde sich nicht irrte, als er sagt: «Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.»

PS: Diese Kolumne geht von idealen Bedingungen aus. Im realen Flugbetrieb fehlt oft nämlich nicht nur die 13., sondern auch die 17. Reihe, weil sie Brasilianern und Italienern Unglück bringt. In Afghanistan ist die 39 berüchtigt, in Japan die Neun. In China wird Vier, Sieben und Zehn gemieden, nur die glückbringende Acht ist ständig ausgebucht. Wer viel fliegt, sollte also nicht nur die Ephemeriden berücksichtigen!
 


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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